24.07.2012 - Vorbereitung zum Tschermaner-Treffen 2013 laufen
200 Auswanderer fanden in Nordungarn eine neue Heimat
Steinfeld – Im zweijährigen Rhythmus finden die“Tschermaner-Treffen“ in Cermany in der Slowakei statt. Turnusmäßig trifft sich der Vorstand vorab im Rathaus der Gemeinde Steinfeld, um das nächste Treffen für 2013 in der Slowakei vorzubereiten. Dazu waren auch diesmal der Vorsitzende Dr. Karl Gese, sein Stv. Peter Stiene, Bürgermeister Imrich Chrenko aus Tscherman, die Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins des Bezirks Nitra, Ingrid Stümpel, gemeinsam mit Fritz Lehmden aus der Slowakei sowie eine Thüringer Abordnung mit Renate Weber (Schriftf.) und Marita Klostermann (Kassiererin) nach Steinfeld in die „Altheimat“ gekommen. Hier wurden sie von Bürgermeisterin Manuela Honkomp und Vorstandsmitglied Elsbeth Nieberding und den Vertretern der Heimatvereine Steinfeld und Mühlen begrüßt.
Eine Dümmer-Besichtigung, verbunden mit der Aalaufzucht und -räucherei Hoffmann in Dümmerlohausen, gehörten ebenso zum Besucherprogramm wie der Kalvarienberg mit der XII. Station und der Friedhof in Mühlen mit dem Auswanderer-Ehrenmal. Das Kreuz des Auswanderers Heinrich Stiene, das vom Friedhof in Groß Rippen in der Slowakei stammt, fand hier seinen neuen
würdigen Platz.
Seit 1979 nehmen Steinfelder stets an den Treffen der Tschermaner teil. Theo Deters, einst Junglehrer in Groß Rippen, hatte in einer außergewöhnlichen und einmaligen Aktion die „Tschermaner“ wieder zusammengeführt. 10 Jahre später übernahm die Gemeinde Steinfeld die Patenschaft über die „Ortsgemeinschaft Tscherman und Umgebung“.
Im 19. Jh. zwischen 1830 und 1875 sind 30 % der Bevölkerung aus dem Südkreis Vechta ausgewandert. Familien mit ihren Kindern, aber auch Einzelpersonen zog es nach Amerika. In den Jahren 1859/60 machten sich rund 200 Personen nach Tscherman und Groß Rippen ins damalige Nordungarn auf den Weg, um endlich ihr „Eigen“ zu erhalten. Ungarn „lag vor der Tür“. Obwohl die Heimatforscher und Brüder Franz und Johannes Ostendorf wiederholt von den „Tschermanern“ in der Presse berichtet hatten, waren sie nach dem II. Weltkrieg in das Dunkel der Geschichte eingetaucht. Erst als Theo Deters 1977 wieder in die Altheimat zurückkehrte – seine Vorfahren stammen aus Kettenkamp – und dabei auch im Steinfelder Rathaus beim Bürgermeister Clemens gr. Holthaus und Gemeinde-Dir. Paul Berding einkehrte, wurde die Verbindung mit den Nachfahren der einstigen Auswanderer neu geknüpft, die bei Kriegsende größtenteils ihre neue Heimat wieder verlassen mussten. Ein geringerer Teil blieb in der „Plattdeutschen Spracheninsel“ von Tscherman und Groß Rippen in der Nähe von Neutra (Nitra) zurück. „Die Altheimat hat uns vergessen!“ hieß es in deren Kreis bis in die 70er Jahre. Viele „Tschermaner“ wurden nach Bayern, Baden-Württemberg und vor allem nach Thüringen vertrieben.
Autor Rudolf Timohus
